Samstag, 24. Juni 2006

Juchu, endlich ein schöner und auch lustiger Text beim Wettelesen des diesjährigen Bachmannpreiswettbewerbs. Kommt von Kathrin Passig aus Berlin und findet sich hier.
Aber lustige Texte gewinnen ja bei Ingeborg selten.

Freitag, 23. Juni 2006

verrückte votogravieren.


Wenn es dieser Weh-emh etwas abzugewinnen gibt, dann die vielfältigen Gelegenheiten ohne Widerstand Verrückte zu fotografieren. Besonders gute Erfahrungen hab ich mit Kroaten, Brasilianern und Schweden gemacht. Deutsche sehen in der Regel genauso doof und langweilig aus wie auch sonst. *klick*

Und noch ehe der Hahn dreimal krähte...

Die schlimme Zeit ist nun schon seit einer Woche vorbei, ich habe wieder Internet. Nach einer mehrtägigen Mecker- und Bettelodyssee durch verschiedenen Kompetenzinstanzen meines neuen Kabelinternetproviders erreichte ich endlich jemand der es geschafft hat mir innerhalb von drei Stunden einen Installationstermin am nächsten Tag zu besorgen.
Und unglaublicherweise stand am nächsten Tag Punkt 11 ein polternder Monteur vor der Tür, der mir sogleich verkündete, dass er diesen Auftrag uffjedrückt bekommen hat, obwohl er eigentlich was anderes zu tun hätte. Nämlich sich auf Fussball vorbereiten, am Abend war wohl wieder Deutsches Reich gegen irgendeine ehemalige Kolonie. Ich war in einer Zwickmühle. Würde ich ihn auslachen und laut verkünden dass ich Fussi für ein stinkelangweiliges Spiel für Halbaffen halte mit dessen Anhängern ich möglichst wenig zu tun haben möchte, wärs das wohl gewesen für mich und meinen Internetanschluss. Also machte ich ein freundliches Gesicht, faselte was von ohichbinauchschonganzgespannt und beobachtete ihn schweigend bei der Arbeit. Und wieder fing er an zu sprechen, wahrhaftig er würde das Spiel ja heute beim Popkick im Treptower Park sehen und ob man denn da wohl gute Sicht hätte. Ich aber verleugnete mich ein weiteres Mal und sagte was von toller Stimmung, prima Sicht und so. Und noch bevor er den Anschluss endlich richtig kalibriert hatte, demütigte er mich ein weiteres Mal.
Ich schwöre, als er weg war, hörte ich in der Ferne einen Hahn krähen. Zeit um bitterlich zu weinen hatte ich aber nicht mehr, musste ich mich doch an der geilen Geschwindigkeit meines tollen neuen Zuganges ergötzen.

Freitag, 26. Mai 2006

Selfportrait with Burger


Selfportrait with Burger
Originally uploaded by jonas_k_aus_b.
Ich esse gerne Fleisch, ich geh auch gerne in Schnellrestaurants um mich mit dicken Fleischbrocken vollzustopfen. Um mich herum sitzen Menschen die Gleiches tun, schweigen, stopfen, schlucken, schlürfen. Ich weiss dass das nicht gesund ist, nicht wirklich lecker schmeckt und mit meinen eigentlichen Anspruch an gutes Essen auch nicht viel zu tun hat. Und wie eine stille Anklage, als wären diese Läden in vollem Bewusstsein eröffnet mir ein schlechtes Gewissen zu machen, hängt in fast jeder dieser Fetthöllen ein riesiger Spiegel an der Wand, vor dem auch grundsätzlich die einzig freien Plätze sind. Und niemand, wirklich niemand kann Burger essen und dabei gut aussehen.

Abt. Integrationsversagerunsitten

Wie gross muss eigentlich der Drang jugendlicher Zivilokkupanten nach Aufmerksamkeit sein, dass sie es immer wieder schaffen sich immer neue, immer noch nervigere, ihre Mitmenschen zur Weissglut treibende Verhaltensweisen auszudenken?
Der neueste Streich: Hottentottenmusik in Anschlaglautstärke aus dem Händilautsprecher. Gerne auch alle 8 Sekunden einen neuen Song. Dazu mitwippen und abwarten ob sich nicht irgendjemand aufregt.

Dienstag, 23. Mai 2006

Bücherbutze

Berlin hat ein neues architektonisches Highlight, die Bibliothek der Philologischen Fakultät an der Freien Universität. Wer mal vorbei kommt, unbedingt ansehen. Gebaut von Sir Norman Foster, dem Kuppelheini vom Reichstag. Und weil meine internationale Leserschaft ja grösstenteils nicht die Gelegenheit hat, sich live begeistern zu lassen, habe ich ein paar Bilder gemacht:-) *klick*

Montag, 22. Mai 2006

Es regnet, ist kalt und ich irre wie ein Junkie durch Treptow auf er Suche nach Internet. Dunkel erinnere ich mich dass eine der wenigen Kneipen in der Gegend in der kein Wolle Petry gespielt wird, ein Wlan hat. Schade nur dass der Typ hinter der Bar das WEP-Kenntwort nicht da hat und die Nerds die sich sonst hier immer rumtreiben sich wohl vorm Regen zuhause verkrochen haben. Naja, trink ich halt Bier, schreibe und hoffe das im nächsten halben Liter jemand vorbei kommt und ich endlich Bilder flickern kann und ich den Permission Request zurückschicken kann, an einen amerikanischen Sachbuchverlag, die gerne ein Bild von mir in einem Buch, A Global History of Architecture, abdrucken möchten. Gefunden haben sie es bei Flickr, Geld gibt’s natürlich nicht, aber ein Belegexemplar und meinen Namen gedruckt:-)

Freitag, 19. Mai 2006

Ich hoffe auf monsunartige, fünf Wochen andauernde Regenfälle, polnische Hooligans, die Al-Quaida, immense finanzielle Verluste, Massenpaniken bei "public viewings", den iranischen Präsidenten beim Endspiel und dass Günther Jauch, Otti Fischer und der kleine Mann mit dem Flokati aufm Kopp an Leberzirhose sterben, damit diese nervige Scheisse ein riesengrosser Reinfall wird und man nie nie wieder auf die Idee kommt, auch nur eine Tischtennisweltmeisterschaft nach Deutschland zu holen.
Es ist sehr früh, es regnet und ich stehe an beim Bäcker. Die oberlippenbärtige Fummeltrine gockelt hinter der Theke und macht auf freundliche Bedienung. Die Fassade hält so lange wie das Kundenvolk mitspielt. Hab ich keine Lust drauf und deute auf ein überteuertes Backwerk, kombiniert mit dem eindeutigen Hinweis "Käsekörnerdingsbitte". Der Pfau sieht mich fragend an: Was möchte der HERR? Ich tippe unterzuckert auf die Auslage "KäsekürbiskörnerdingsBITTE". Die Teigtucke posiert wie er sich wahrscheinlich gerne auf dem Titel der Bäckerblume sehen würde: Also möchten Sie ein Kürbiskernbrötchen mit BRIE (das ist nie im Leben Brie) oder ein Mehrkornbaguette mit Schnittkäse???
KÜRBIS VERDAMMT!!!!!
Ja sie müssen mir schon genau sagen was sie haben möchten wenn ich sie ordentlich bedienen soll!!
König Kunde in mir rebelliert, ich motze ihn an : ich kann mein Zeug auch woanders kaufen.
Die Ballerina zieht die Tüte wieder zurück wie ein bockiges Kind: Ja, können sie.
Ich stecke mein Geld ein, nenne ihn ein ARSCHLOCH, drehe mich um und gehe.
Unsouverän, ich weiss.

Freitag, 12. Mai 2006

An dieser Stelle erlaube ich mir, auf die Internetpräsenz der Rechtsanwaltskanzlei Thieler in Augsburg hinzuweisen: *klick*

Mittwoch, 10. Mai 2006

Ich mache grad eine sehr schlimme und schwere Zeit durch. Ich bin offline, abgeschnitten von der Welt, von Nachrichten, Bildern und den vielen intellektuellen Plaudereien, die ich so gerne über diverse Instant Messenge führe.
Ich bin meinen Provide zu teuer geworden, dsl-technisch ist meine Hood nämlich finsterster Arsch der Welt, so dass kein dauerhaft stabiles Signal mehr zustande kommt und sich die Störungen häuften und die Summe die ich jeden Monat bezahlt habe, sicher nicht die Kosten für den Techniksklaven gedeckt haben der regelmässig meinen Router konfigurieren musste.
Erwähnte ich schon dass es eine schreckliche und schlimme Zeit für mich ist? Ich räume auf, schaue öde Filme und fotografiere mich selbst.
Ausserdem verbringe ich viel Zeit auf dem Potsdamer Platz, da gibts nämlich ein prima Wlan und ne Menge zu gucken.
Es gibt aber Aussicht auf Besserung, fragt sich nur wann.
Falls mich also jemand vermissen sollte oder auf Antworten wartet, es dauert diese Tage etwas länger. Notfalls gibts ja noch das gute oldfashioned Telefon:-)

Abt. doofe Fragen

Soeben mal wieder passiert. Eine Gruppe offensichtlich nordamerikanischer Jugendlicher quatscht mich Leipziger/ Ecke Wilhelmstr. an, nachdem sie wohl auf dem Stadtplan vergeblich gesucht hatten: We are looking for the Fuhrerbunker!
Ein Glück für die dass ich mich so gut auskenne:)

Abt. peinliche Oberbekleidung

Fussballfanbekleidung von KiK, Takko etc. Mit Deutschlandtrikots rumrennen ist so schon peinlich genug, wenns dann auch noch die kinderarbeitgefertigte Mörderhässlichausführung ausm Textildiscounter ist, hat mans nicht anders verdient wenn man von polnischen Hooligans richtig auf die Fresse bekommt.

Freitag, 5. Mai 2006

Da trifft die Faust aufs Auge. Ich erblicke heut morgen das Namenschild der meine Kümmelstange eintütenden Bäckereifachverkäuferin: Sie werden freundlich bedient von Frau Muffel.

Ich ärgere mich, daß ich nicht wenigstens den Versuch unternehme das zu fotografieren.

Dienstag, 25. April 2006

Elektro Reinwardt

Mein Kiez hat sich in den letzten 16 Jahren verändert. Aufwendig sanierte Straßenzüge, kommende und gehende Trends im Einzelhandel (auf Videotheken folgten Bestattungsinstitute folgten Tabak- und Zeitschriftenläden folgten Callshops folgten Bäckereien), eine florierende Kunst- Galerienszene und aufregende Gastronomie machen das Leben in Alt-Treptow niemals langweilig. Es gibt allerdings eine Konstante in dieser ruhelosen Hood: Elektro Reinwardt – ein Laden wie eine Burg, den Geheimtipcharakter noch unterstreichend durch eine fast blickdichte braune Folie mit der die empfindlichen Waren in der vergitterten Schaufensterauslage vor gefährlichem Sonnenlicht vor dem Ausbleichen geschützt werden. Aktuell, also seit ca. 12 Jahren liegen dort sehr geschmackvoll arrangiert z.B. elektrische Dosenöffner, drei verschiedene Reiseföns, flotte Lichtschalter in kackbraun-metallic, Steckdosen in allen Varianten, Babykostwärmer, ein Wärmeunterbett, Gefrierdosen, extradicht schliessend und als echtes Schnäppchen ein Stereotestband (9,53 cm/s), original Friedensware von ORWO.
Der Laden ist so geheim daß sich nur selten Eingeweihte hineinverirren. Seit mindestens 10 Jahren frage ich mich, wie Herr Reinwardt oder wem auch immer der Laden gehört, Geld verdient. Ich komme da wirklich oft vorbei und versuche immer was von innen zu erkennen, dort ist nie jemand drin und das er nebenbei einen coolen Internethandel für Elektrobedarf betreibt, kann ich mir auch nicht vorstellen. Eine Zeitlang war ich der Meinung das wäre eine Geldwäscherei (was ich immer noch nicht ganz ausschliessen will).
Einmal, in großer Not, habe ich mich auch getraut den Laden zu betreten, ich brauchte eine Glühbirne. Die Raumtemperatur dort beträgt etwa 11 Grad, die Wände sind vollgestellt mit endlosen Regalen voller kleiner Schubfächer, in freundlichem eierschal gestrichen. Mein Betreten rief offensichtliches Erstaunen hervor, das etwas wirr dreischauende Männchen machte sich aber, nachdem ich mein Begehr vorgetragen hatte zielsicher auf die Suche nach meinem Leuchtmittel. Nachdem ich einen Apothekenpreis gezahlt hatte, war mir auch klar, wieso ein Kunde am Tag ausreicht.
Jaja, lacht über mich, meidet mich, zeigt mit dem Finger auf mich aber ich verkünde und stehe dazu, mir gefällt das neue Blümchen-Album. Fröhlicher Deutschpop der angenehmsten Sorte, sehr entspannt instrumentiert und textlich deutlich über dem Niveau ihrer alten Smashhits wie z.B. Piep piep kleiner Satellit oder Boom Boom Boomerang. Wohl nichts für die Ewigkeit, aber beim mitm Rad durch die Stadt cruisen diesen Sommer ein prima Soundtrack.
So, Froop ist out, selbermachen ist in. Und zwar Erdbeerquark. Und weil ich ja weiss, dass ihr es wissen wollt, verrate ich an dieser Stelle das Geheimnis einer guten Quarkmischung. Nämlich einen Esslöffel voll besten Balsamicoessig dazu.

Donnerstag, 20. April 2006

Montag, 17. April 2006


Eigentlich wollte ich ja noch eine Art Kritik zum Konzert von Jenny Lewis with the Watson Twins schreiben, allerdings fallen mir nur Superlative ein und das klingt dann ja irgendwie nicht seriös sondern wie überschwengliches Fan-Gehabe. Wobei es dazu allen Grund gäbe.
Mit dem festen Vorsatz in der ersten Reihe sitzen zu wollen war ich etwas früher da und konnte Jenny beim Vorbeilaufen anglotzen.



Als Support haben zwei Herren aus ihrer Band gespielt, Michael Runion und Johnathan Rice, letzterer so cool dass ich mir sogar seine CD gekauft habe.

Während des Konzertes habe ich einen neuen Fetisch entdeckt. Frauen in Cowboystiefeln, speziell die Watson Twins. Unglaubliche Stimmen, wahnsinnige Präsenz, umwerfende Frauen. Ich habe beschlossen sie zu heiraten. Alle beide.


Zum Schluss konnt ich mir dann einen Anfall von peinlichem Fanverhalten doch nicht verkneifen und habe mir die Playlist von unterm Microfonständer der Twins geklaut, mit original Fussabdruck.

In der Regel ist mir so billige Kapitalismuskritik deutlich zu plump.
In Verbindung mit der pointiert formulierten Klage über Übernahme der kulturellen Hegemonie durch schwäbische Zuwanderermassen im Berliner Traditionsbezirk Friedrichshain, in manchen frisch sanierten Eigentumswohnungsstrassen kann man durchaus von Ghettoisierung sprechen, finde ich sie durchaus unterhaltsam.

Donnerstag, 6. April 2006

Abt. Gehypte Bands von denen ich mir mehr verspreche

Kaiser Chiefs
Bis jetzt habe ich versucht es geheim zu halten, ein halbwegs normales Leben zu führen, wenigstens den bürgerlichen Schein zu waren. Ich bin nun aber an einem Punkt wo es sich nicht mehr verheimlichen lässt. Ich bin schwerstabhängig, ich gehe von morgens bis abends arbeiten um nicht auch noch in die Beschaffungskriminalität abzurutschen.
Es hat sehr schleichend angefangen, hin und wieder mal probiert, neue Sorten entdeckt, dann wochenlang gar nichts. Und irgendwann konnte ich nicht mehr ohne, ich brauche es täglich, manchmal sogar zweimal. Meist nehme ich es zuhause, damit mich niemand sieht, an langen Tagen aber hab ich auch was mit auf Arbeit. Meine Lieblingssorte ist Froop Pfirsich-Maracuja , dicht gefolgt von Erdbeere. Neulich hab ich nicht aufgepasst und statt dem favourite eine Sorte namens Exotic gegriffen. Schmeckt nicht schlecht, was genau Exotic ist, wird nicht erklärt, die Farbe der Fruchtzubereitung hat jedenfalls was von der Magensäure, die ich einmal im Jahr nach drei Tagen Migräne auskotze.
Allerdings gibt es Hoffnung, die neueste Entdeckung im Froop-Universum ist Zitrone. Und das schmeckt, wie alles wo keine echte Zitrone dran ist, nach Spüli und zum Abgewöhnen.

Montag, 27. März 2006

yeah yeah yeah

manchmal hat die sonntägliche schlaflosigkeit auch ein gutes. ohne diese hätte ich doch glatt die sat1 musicexpress konzerttipps verpasst und damit den hinweis auf jenny lewis and the watson twins am 12. april in berlin. tickets sind bestellt, brauch ich nur noch ne begleitung.

Sonntag, 26. März 2006

Top 3 der momenten nervigsten widerwilligen Ohrwürmer

1. Wer bin ich wirklich - Das Titelgejaule zu der supicoolen Dailyromantictelenovela von Pro 7

2. Das gute Gefühl - ein Penner mit Gitarre läuft winselnd durch die Stadt auf der Suche nach einem Tätowierer und will einem weis machen dass er den ausgerechnet in den Gelben Seiten findet.

3. Sonnenlischt - das Popkultur gewordenen Stück Peinlichkeit dreier Integrationsversager.
Grad kommt mal wieder Cliffhanger im Fernsehen, einer der wenigen Filme bei denen ich genau weiss, wo ich sie zum ersten mal gesehen habe. Nämlich auf einer Fähre von Hamburg nach England, 1993.
Jung und wild wie ich damals war, hatte ich natürlich ordentlich einen getankt. Nicht grad das was man tun sollte wenn man zur Seekrankheit neigt und draussen Windstärke 8 herrscht. Aber wie gesagt, ich war jung und wild.
Dass das kein gutes Ende nehmen würde, merkte ich spätestens beim zweiten von mehreren mitgebrachten Bieren. Noch aber hielten die Spannung des Films und meine eiserne Selbstbeherrschung mich im Sessel. Kaum aber dass der Abspann lief wankte ich nach draussen, geradewegs ins nächste Klo um mich die nächste halbe Stunde herzhaft und ausgiebig zu übergeben. Auf allen Vieren bin ich anschliessend tief in den Bauch des Schiffes gekrochen, wo sich meine Kabine befand.
Und Cliffhanger schau ich immer wieder gerne, wenns ca. alle halbe Jahre auf VOX wiederholt wird.

Freitag, 24. März 2006

Zeitung kaufen.
Macht 1.80, ich reiche 2 Euro. Das doofe Mädchen mit den blauen Fingernägeln fragt ob ich 20 Cent habe. Irritiert und gespannt krame ich, werde fündig und reiche sie ihr. Sie sortiert alles ordentlich ein um mir anschliessend 2x 20 Cent zurückzugeben. Ich blicke zu Boden, kann sie nicht ansehen, spüre einen akuten Anfall von Fremdschämen. Schnell verlasse ich den Laden.

Donnerstag, 16. März 2006

Heute sass mir ein Mann im Bus gegenüber der aussah wie Jean-Claude van Damme und hat gepopelt. Ganz lange. Als ich ihn darauf ansprach, auf das Aussehen, lächelte er nur, drückte mir vertraut den Arm und stieg aus.

Mittwoch, 15. März 2006

Keine Zeitung mehr ohne, die einen machens in der ZEIT, die anderen sind schon so drauf, dass das Kundenblatt vom Pupsimarkt reicht. In Busundbahn, Kneipe, auf Arbeit, in Wartezimmern, überall sitzen die Junkies über ihrem Stoff, nur ich steh mal wieder aussen vor. Sudoku. Es kickt mich nicht im geringsten. Es ist so langweilig, dass die Regeln in zwei Sätzen erklärt. Ich versteh es trotzdem nicht. Das Ganze ist offensichtlich nicht aufregender als Steuererklärung ausfüllen, warum soll man die immer gleichen Zahlen in die immer gleiche Kästchenanordnung schreiben, so dass zum Schluss irgendwie immer das gleiche da steht? Ich hab die leise Vermutung dass das aus der gleichen Ecke kommt wie damals diese seltsamen bunten Bilder, wo man stundenlang draufschielen sollte. Alle starrten und sahen irgendwann Jesus in 3D oder die sieben Zwerge. Nur ich nicht.
Die Masche war die gleiche. Zum anfixen ein paar Bilder in Zeitungen, dann brauchte man die sackteuren Bücher, Band ein bis vier. Jetzt gibt es Sudokubücher, Sudokuhandygames und mobile Sudokugeräte für immer nur die gleichen neun Zahlen in die immer gleich groß Matrix zu kritzeln und zu tippen.
Aufregend.
Naja, besser als rauchen.

Mittwoch, 8. März 2006

Randgruppenfashion

Die kalte Jahreszeit ist fast vorbei und die Gelegenheit will ich nutzen, über Bekleidungstrends zu sinnieren, mit denen sich Menschen diesen Winter lächerlich gemacht haben.
Zum einen waren da die irgendwie noch lustigen Stiefel mit dem Kunstfell, innen oder aussen, oben oder unten, mit Krempe oder Bommeln, gern auch mit Lederstrippen zum drumherumwickeln für die Trapperoptik, in die Vorstadtmädchen ihre kurzen dicken Beine zwängen, die Hose muss natürlich mit rein.


Ganz und gar nono sind aber diese, ich weiss gar nicht wie man sie nennen soll, Mützen, die traurige Berühmtheit erhielten durch eine Popschwuchtel namens Ben. Alle lachten über ihn und niemand, fast niemand, wäre auf die Idee gekommen so eine Mütze zu tragen die aussieht wie eine gestrickte OP-Haube. Irgendwann aber fingen gewisse Problemkiezbewohner, Solariumbesucher und Angehörige bestimmter ethnischer Minderheiten an, sicher aus Ausdruck von sozialem Protest, diese seltsamen Kopfbedeckungen zu tragen. Bevorzugte Farben sind dabei Eierschale, Altrosa und heller Durchfall. Mit wie dass mit Trends so ist, entwickelte er sich zu einem Massenphänomen, auch Menschen die als Berufswunsch nicht Superstar und zumindest einen Schulabschluss haben, fingen an ohne Scham ihr Haupt so lächerlich zu bedecken.


Und wie das mit Trends so ist, die Setter etablieren schon den Nächsten. Diesen Sommer ist man im Märkischen und in Gropiusstadt weit vorn dabei mit deutlich zu eng geschnallten Basecaps die in so steil auf den gelverschmierten Hinterkopf gedrückt werden, dass der (ungebogene) Schirm im 60-Grad-Winkel nach oben zeigt. Um den Vollidioteneindruck komplett zu machen passen dazu Jacken aus Ballonseide.

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Freitag, 3. März 2006

Mittagspause in Mitte. Eine coolpeople coffeebar. Ich muss Zeit überbrücken, warte bei einem leckeren Sonstwaskaffee mit Caramel. Neben mich stellt sich eine durch Attraktivität und exklusiven Bekleidungsgeschmack auffallende mitteljunge Frau im Pelz. Mein erster Tip lag schon daneben, es gibt weder low fat noch decaf sondern ein white chocolate-irgendwas. Sie wühlt in ihrer Tasche, unendliche Weiten, befördert eine kleine Plastikbox zu Tage. Sie wird doch nicht, denke ich? Oh doch, Klappstullen, langweiliges Mischbrot, wahrscheinlich Leberwurst. Ich nicke ihr ein freundliches Mahlzeit zu.